Zirkuswoche

Schüler als Clowns und Akrobaten

 

110 Fünftklässler aus Kropp und Erfde zeigen ihre Kunststücke vor 250 Zuschauern in der Sporthalle

 

Wenige Minuten vor Beginn ihres Zirkusauftritts in der Turnhalle der Kropper Geestlandschule war die Aufregung unter den 110 Fünftklässlern am größten. Da kam der Hinweis von Pädagoge Jens Ewald, der im Rahmen des Zirkusprojekts fünf Tage lang mit den Kindern Kunststücke einstudiert hatte, genau richtig: „Jetzt ist der Moment, nochmal auf die Toilette zu gehen.“ Schon stürmten alle in die Umkleiden – oft auch nur zur Trinkflasche.

Nachdem rund 250 Eltern, Großeltern, Geschwister und Mitschüler auf der Tribüne Platz genommen hatten hieß es „Manege frei“ für die einstündige Vorstellung vom Zirkus „Kroppi“. Statt Holzspänen lagen Turnmatten auf dem Boden, auf denen die kleinen Akrobaten Räder schlugen und menschliche Pyramiden bauten. Zwei hoch aufgestellte mit bunten Tüchern geschmückte Matten dienten als Kulisse. Jeweils ein Junge oder Mädchen verkündeten ganz wie ein Zirkusdirektor am Mikrofon die nächste Nummer.

Unter den 22 verschiedenen Darbietungen waren natürlich Clowns – die hier ganze ohne Verkleidung für Lacher sorgten. So wie Trommler „Luki“, der an seinen zwei Mitmusikern verzweifelte, die nach seinem Kommando „eins, zwei, drei“ nicht etwa zu musizieren anfingen, sondern bis zehn weiter zählten und partout nicht das machten, was er wollte. Tellerdrehen, Einradfahren – manchmal mit einer helfenden Hand – und Seiltanzen hatten die Kinder in der kurzen Zeit gelernt. „Diese Zirkus-Projektwoche machen wir seit über zehn Jahren mit den Fünftklässlern“, erklärte Lehrerin Susanne Hamann, die für die Koordinierung der fünften bis siebten Klassen der Geestlandschule zuständig ist. Mit dabei war auch die fünfte Klasse der Außenstelle Erfde. Die Kinder würden bunt gemischt, so dass der Zusammenhalt untereinander wachse. Die nächste Aktion findet nach den Herbstferien statt, „wenn sich die Klassen gefunden haben“. Auch das Selbstbewusstsein der Mädchen und Jungen würde gestärkt. „Jeder kann sich ausprobieren und machen, was er möchte“, erklärte Hamann. Der Spaß stand zwar im Vordergrund, aber es gab positive Nebeneffekte. „Jonglieren verbindet die zwei Gehirnhälften miteinander – und das ist gut für Mathe“, so die Pädagogin. Dadurch waren die Kinder so motiviert, dass sie fleißig Jonglieren übten statt Rechenaufgaben zu lösen.

Vor dem Finale, bei dem sich alle Schüler gemeinsam ihrem Publikum zeigten, ging ein Dutzend von ihnen als Fakire verkleidet über Glasscherben. Die noch Mutigeren legten sich mit Hilfe von Jens Ewald auf ein Nagelbrett. Den Höhepunkt bildeten drei Feuerspucker. Passenderweise lautete der Hinweis hier: „Bitte nicht zu Hause nachmachen.“

Vor mittlerweile 16 Jahren habe sie Jens Ewald kennengelernt, sagte Susanne Hamann. Seitdem arbeite man beim Zirkusprojekt zusammen. Die Jahre merke auch er, so der Pädagoge: „Einer der Schüler hat zu mir gesagt, dass schon seine Mutter bei mir Zirkus gemacht hat.“ Sobald es hieße, dass die Oma bei ihm Einradfahren und Zauberei gelernt habe, „ist es Zeit, aufzuhören“, scherzte Jens Ewald.

 

Maike Krabbenhöft

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